Sexsucht bei Frauen

In den Medien ist häufig von Sexsucht bei Frauen die Rede. Da entsteht schnell das Gefühl, dass diese Sucht vor allem das weibliche Geschlecht betrifft. Über sexsüchtige Männer liest man nur wenn ein Star mal wieder seine Frau betrogen oder jemand sexuell belästigt hat. Dann gehen sie schnell mal in Therapie und alles ist wieder gut. Doch die Realität sieht anders aus. Weder kann die Sexsucht in wenigen Wochen geheilt werden, noch sind hauptsächlich Frauen betroffen. Nur ein Drittel aller Sexsüchtigen sind Frauen.

In der Forschung sowie der Wissenschaft sieht die Sache daher ganz anders aus. Hier gibt es Studien und Untersuchungen hauptsächlich über sexsüchtige Männer. Frauen mit Sexsucht sind erst in den letzten Jahren zum Thema und zum Untersuchungsgegenstand geworden. Was sicher auch damit zu tun hat, dass diese Sucht durch das Internet stetig wächst. Sowohl Frauen wie Männer sind davon betroffen.

Nymphomanie = Sexsucht bei Frauen

goldene nymphe figur an brunnenDie Sexsucht bei Frauen heißt Nymphomanie – dementsprechend ist auch von einer Nymphomanin oder Nymphomaninnen die Rede. Doch so werden sexsuchtige Frauen vor allem in der Öffentlichkeit bezeichnet. In der Fachwelt ist eher von Hypersexualität die Rede wenn es um Sexsucht geht. Der Begriff Nymphomanie ist auch ziemlich irreführend und zeugt von einer gesellschaftlichen Ächtung.

Nymphomanie stammt vom altgriechischen Wort Nymphen ab.  Damit wurde ein geschlechtsreifes bzw. heiratsfähiges Mädchen bezeichnet. Bekannt wurde der Begriff vor allem durch die aus der Mythologie stammenden weiblichen Naturgeister. Und hier sind wir schon beim Problem. Daher steht dieser Begriff auch für Wahnsinn oder Raserei. Heißt eine Frau, die ein zu starkes sexuelles Verlangen hat.

Das der Begriff Nymphomane negativ besetzt ist, kann auch daran erkannt werden, dass es dabei vor allem um den häufigen Partnerwechsel geht. Es geht nicht nur um das Thema Sexsucht, sondern eine Frau wird gerne auch als Nymphomanin bezeichnet wenn sie häufiger mit verschiedenen Männern schläft. Was im Prinzip nichts miteinander zu tun haben muss.

Sexsüchtige Frauen in der Pornographie

Für viele Männer ist eine sexhungrige Partnerin der Wunsch ihrer feuchten Träume. Solch eine Frau ist immer bereit und dafür da die Lust zu befriedigen. So werden sexsüchtige Frauen in den Medien häufig auch dargestellt. Vor allem in Pornos und der Pornographie ist das ein klassisches Frauenbild. Ein weiteres Zeichen dafür sind überall verfügbare Anzeigen für Sex, Prostituierte usw. Dort ist meistens von sexhungrigen oder nymphoman veranlagten Frauen die Rede.

Die Realität ist jedoch eine andere. Frauen mit Sexsucht mögen zwar häufigen Geschlechtsverkehr haben. Jedoch sind sie definitiv alles andere als perfekte Partnerinnen. Und auch die ideale Geliebte sollte nicht sexsüchtig sein. Wenn der Geschlechtsverkehr nämlich zur Sucht wird geht es nicht mehr um Spaß oder den Spaß des Partners, sondern es geht darum die Lust zu befriedigen. Da wird der Mann nur zu einem Subjekt.

Die für viele Männer positive Darstellung von sexsüchtigen Frauen in Pornos führt zu einem falschen Bild. Und es führt auch dazu, dass die Sexsucht bei Frauen häufig verharmlost sowie nicht ernst genommen wird. Wirkliche Forschung in dieser Hinsicht wird erst seit einigen Jahren betrieben.

Sexsucht bei Frauen – ein historischer Abriss

Bereits im vorletzten Jahrhundert und sogar seit den Anfängen der wissenschaftlichen Psychiatrie in Frankreich um 1830 war die Sexsucht ein Thema. Dabei ging es nicht so stark um die Sexsucht bei Frauen, sondern bis ins 20.Jahrhundert standen vor allem Männer im Fokus.

Doch nicht immer haben Menschen sexsüchtige Frauen ernst genommen. Im letzten Jahrhundert wurden Frauen, die ihren Partner betrogen schnell als sexsüchtig abgetan und dann entsprechend behandelt. Von übermäßigem Sex mit wechselnden Partner oder masturbations Maschinen zur Therapie bis hin zu Elektroschocks war alles möglich. Ob dies allerdings erfolgreich war ist fraglich.

Problematisch ist auch das Sexsucht bei Frauen bzw. beiden Geschlechtern bis heute von einigen Sozialwissenschaftlern und Psychologen als Krankheitsbild abgelehnt wird. Jedoch sind das immer weniger und immer mehr Experten erkennen sind vom Gegenteil überzeugt. So dass sich gerade in den letzten Jahrzehnten eine Menge auf diesem Gebiet getan hat. Auch in Hinsicht bei Therapie und Behandlung von sexsüchtigen Frauen.

Warum werden Frauen sexsüchtig?

Aktuelle Studien legen Nahe, dass die Sexsucht bei Frauen sich gar nicht so stark von anderen Verhaltenssüchten unterscheidet. Ein Trauma ist es, das in den meisten Fällen die Sucht auslöst. Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten sexsüchtigen Frauen emotional Missbraucht, vergewaltigt oder körperlich misshandelt wurden. Was durchaus erstaunlich klingen mag. Schließlich würden die meisten davon ausgehen, dass eine vergewaltigte Frau nicht wegen der Vergewaltigung “Lust auf mehr Sex” bekommt. Doch hier ist wieder das falsche Bild der Sexsucht ausschlaggebend. Es ist keine Lust auf Sex, sondern ein zwanghaftes Verlangen.

Dieses Trauma als Auslöser der Sexsucht kann häufig schon im Jugend- oder Kindesalter passiert sein. Und oft sind sexsüchtige Frauen von mehreren dieser Punkte betroffen. Allerdings muss es auch nicht so sein. Ich würde niemand raten der nicht vergewaltigt, geschlagen oder emotional missbraucht wurde, die Sexsucht als Diagnose auszuschließen. Jeder Mensch ist individuell, und so können auch die Gründe sich unterscheiden warum Frauen sexsüchtig werden.

Symptome der Sexsucht

buch mit brilleDie Wissenschaft tut sich schon schwer den Begriff der Sexsucht zu definieren, noch schwerer wird es mit klaren Symptomen. Martin Kafka, ein Psychiater der Harvard Medical School und führender Forscher auf dem Gebiet hat sich ein einer Definition der Symptome versucht. Für ihn sind Frauen sexsüchtig wenn sie “über einen Zeitraum von sechs Monaten wöchentlich mindestens sieben Orgasmen haben und sich täglich ein bis zwei Stunden mit solchen Aktivitäten beschäftigen.” Doch auch er selbst stellt klar, dass dies nur zur Orientierung dienen kann. Denn der wichtigste Punkt, ist dass das sexuelle Verlangen mit einem Leidensdruck verbunden sein muss. Heißt wenn es keinen Sex gibt, wird der Druck immer schlimmer.

Einig sind sich Psychologen, Forscher und Therapeuten darin, dass Sexsucht ein sehr vielschichtiges Thema ist.  Sexsucht Tests können einen ersten Anhaltspunkt bieten. Aber strickte Einordnungen in gewisse Schubladen können nicht funktionieren. Jeder Mensch ist unabhängig. So kann eine konservative Frau den Verdacht einer Sexsucht haben weil sie sich von einem Mann hat verführen lassen während für ein frisch verliebtes Pärchen mehrfacher Sex am Tag vollkommen normal ist. Sexsüchtig sind wahrscheinlich beide nicht.

Sexsucht bei Frauen und die weibliche Rolle in der Gesellschaft

Gerade wenn es um das Thema Sexsucht bei Frauen geht kommt noch die gesellschaftliche Rolle des weiblichen Geschlechts hinzu. In unserer heutigen Zeit gibt es zu diesem Thema sehr viele verschiedene Meinungen. Von konservativ bis hin zur freien Liebe der Hippies. Das macht es sehr schwer zu sagen ob diese oder jene Verhaltensweise ein Symptom der Sexsucht ist. Eine Test kann ein Hinweis sein, aber am Ende muss ein Arzt bzw. Therapeut final darüber bei jeder Frau individuell entscheiden. Gemeinsam ist jedoch allen sexsüchtigen, dass sie die Kontrolle über ihre Lust verlieren. Es geht nicht mehr nur um den Spaß, sondern es wird zur Sucht.