Sexsucht Ratgeber

Sexsucht | Erotisches Verlangen als Stressventil oder Begleiterscheinung einer Depression

Wenn die schönste Nebensache der Welt zur Sucht wird, wird Abstinenz zur Qual und führt neben der körperlichen auch zur seelischen Unzufriedenheit. Sexsucht und Depression stehen eng beieinander und treten oftmals zusammen auf. Wann wird Verlangen zur Sucht und welche Auslöser gibt es?

Vor der Sexsucht kommt die Depression

Body Sexy
marioschulz / Pixabay

Wie bei jeder Sucht gibt es auch bei der Sexsucht eine Ursache, die tief in der Vergangenheit liegt und überhaupt keinen Kontext zu Ihrem erotischen Leben herstellen muss. Die Nymphomanie – wie die Sexsucht im Fachjargon heißt, ist eine Umlenkung von Defiziten oder von Stress und Leidensdruck. Auch Burnout und andere Ursachen können in diesen Teufelskreis führen und dazu beitragen, dass sich der ganze Alltag nur noch um die Stillung des unbändigen und nicht mehr kontrollierbaren Verlangens dreht. Die meisten Sexsüchtigen leiden unter schweren Depressionen, die sich oftmals im manisch-depressiven Bereich ansiedeln. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt reicht die Palette der Emotionen, mit denen als manisch-depressive Sexsüchtige jeden Tag kämpfen.

Ist das Verlangen gestillt, scheint die Depression für einen kurzen Zeitraum nicht mehr zu existieren. Doch der Schein trügt. Dies ist die manische Phase. In dieser zehren Süchtige vom Serotonin, das beim Sex ausgeschüttet wurde. Sexsucht basiert auf den gleichen Hirnströmungen wie Alkohol- und Drogensucht. Im Konkreten heißt das, dass die Lust nicht körperlich, sondern mental entsteht und einen Ausgleich zu Ihrer Depression darstellt. In vielen Fällen entwickelt sich eine Sexsucht langsam und schleichend, wodurch sie im Anfangsstadium nicht präzise wahrgenommen wird.

Sexsucht ist eine Krankheit

Eine vermehrte körperliche Lust hat nichts mit einer Sucht zu tun hat und steht in keinem Zusammenhang mit der Erkrankung. Es gibt ebenso viel asexuelle wie sexsüchtige Menschen, die nicht depressiv sind. Ob es sich um eine Suchterkrankung oder nur um einen gesteigerten Sexualtrieb handelt, lässt sich bei mit einer Rückschau in die Vergangenheit wie auch mit einer ausführlichen Reflexion des eigenen Sexualverhaltens heraus finden. Ebenso behilflich sind so genannte Sexsucht Tests. Einige davon sowie weitere Informationen warten hier auf der Seite.

Da die Sexsucht als Erkrankung auf einer Depression basiert, verschwinden die Symptome und das grenzenlose Verlangen in dem Moment, in dem die Vorerkrankung / Begleiterkrankung sowie die mögliche Depression behandelt werden. Eine psychologische Betreuung ist notwendig, da Depressionen nicht von selbst verschwinden und in keinem Fall unterschätzt werden sollten. Die Therapie dient vor allem dazu, auf Ursachenforschung zu gehen und dadurch den Ursprung zu erkennen und an diesem Punkt anzusetzen.

Der Fokus liegt auf den Ursachen, nicht auf den Begleiterscheinungen

Um effektiv gegen die Sexsucht vorzugehen, müssen der Fokus auf die Ursachen gelenkt werden. Das heißt, mithilfe der Therapie muss in Erfahrung gebracht werden wann die Sucht begann und worin der Auslöser lag. Das ist nicht einfach und ohne professionelle Hilfe in der Regel nicht zu bewerkstelligen. Vor allem in Kombination mit Depressionen fällt die Ursachenfindung oft schwer und ist nicht in der Gegenwart, sondern in dem Vergangenen zu suchen. Viele Menschen gehen davon aus, dass ein sexuelles Erlebnis mit traumatischer Erfahrung hinter der Sexsucht steckt.

Doch in vielen Fällen zeigt sich, dass es keinerlei sexuellen Auslöser gibt und die Ursachen auf einem ganz anderen Trauma basieren. Fehlende Liebe in der Kindheit, ein strenger Vater, hoher Leistungsdruck und damit verbundener Selbsthass können als Ursache in Frage kommen. Der Sexsüchtige liebt sich nicht etwa selbst oder findet sich attraktiv. Das Gegenteil ist der Fall! Und die grenzenlose unkontrollierbare Lust nach körperlicher Zuneigung soll von den traurigen Gedanken und dem emotionslosen Leben ablenken.

Sexsucht gefährdet die Partnerschaft und den Beruf

ParnterschaftSexsucht kann zu einer Gefährdung der Existenz führen und das Leben nachhaltig beeinflussen. Kein Süchtiger kann sich aussuchen, wann ihn das Verlangen überkommt und wo er sich zu diesem Zeitpunkt befindet. Seitensprünge auf körperlicher oder sprachlicher Basis, zum Beispiel beim Telefonsex, häufige Selbstbefriedigung und die damit verbundene Unlust auf körperliche Liebe mit der Partnerin gefährden jede Beziehung. Selbst am Arbeitsplatz kann das Verlangen nicht unterdrückt werden. Was häufig den Job in Gefahr bringt – vor allem durch Pornos auf dem Firmencomputer.

Beziehung und der Beruf stehen bei einer Sexsucht auf dem Spiel. Betroffenen fällt es schwer, sich der Partnerin / dem Partner oder einem Psychologen anzuvertrauen. Schon das Gespräch über eine Depression ist mit großer Überwindung verbunden und wird daher oftmals auf die lange Bank geschoben. Bei der Sexsucht ist es noch schlimmer, denn der Faktor Scham kommt hinzu. Außerdem machen Sexsüchtige sich Gedanken darüber, wie ihre Mitmenschen nach dem Gespräch über sie denken. Wird die Partnerin die Sexsucht als Erkrankung erkennen oder geht die Beziehung den Bach runter? Sehr häufig ist Zweiteres der Fall.

Sex ist kein Ventil für Unzufriedenheit im Leben

AlltagDer Kick und der kurze Moment der Freude entschädigen nicht für das Leiden, dass Sexsüchtige kurz nach ihrem Ausbruch aus dem Alltag einholt. Wer auf enormen Stress mit purem Verlangen reagieren, verlieren den Blick auf das Wesentliche und wird im Beruf scheitern. Ein sexuelles Abenteuer wird nur kurzfristig für Glück und Ausgeglichenheit sorgen. Kurz Zeit später befinden sich süchtige wieder in der gleichen emotionalen Position wie vorher, nur dass nun – bei in Partnerschaft lebenden Sexsüchtigen – das schlechte Gewissen hinzu kommt. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Sexsucht ein ernsthaftes und therapiebedürftiges Problem ist. Sexsüchtige sind keine notorischer Fremdgänger, die den Kick in fremden Betten sucht und damit ihr Selbstbewusstsein pushen.

Sie leiden unter einer Erkrankung, die heilbar und in regulierbare Bahnen zu lenken ist. Da die Sexsucht in der Regel mit einer Depression einhergeht, steht dieses Problem im Vordergrund. Welche Ursache die Depression hat und wie lange sie schon andauert, wird in psychologischen Gesprächen deutlich. Die meisten Betroffenen können sich gar nicht mehr an den Beginn erinnern da die Krankheit schleichend kommt und lange Zeit nicht erkannt wird. Auch die Familie merkt es nur selten.

Bei einer Sexsucht ist das Verständnis gering, da die Erkrankung viel zu wenig bekannt und thematisiert ist. Viele notorische Ehebrecher und Seitenspringer tun das nicht, weil sie die Partnerin nicht mehr lieben und sich keine Gedanken über die Konsequenzen machen. Sie sind krank und können den Trieb nicht kontrollieren, geraten in einen Strudel und finden ohne externe Hilfe keinen Ausweg.

Claudia Theel 23. Juli 2017